Rapsölschlepper

Betriebsbeschreibung
Beratung Beratung zum Förderprogramm RapsTrak200 durch LandSchafftEnergie am TFZ, Straubing; Förderabwicklung durch Förderzentrum Biomasse am TFZ, Straubing
Betrieb Produktion von Hackschnitzeln, Ackerbau und Schweinemast
Umsetzungsmaßnahme Anschaffung eines rapsölbetriebenen Schleppers
Regierungsbezirk Mittelfranken
Jährliche Emissionseinsparung durch Rapsölkraftstoffnutzung 24 Tonnen CO2-Äq.
(gemäß Erneuerbaren Energien Richtlinie RED 2009/28/EG)

BERATUNGSEMPFEHLUNG UND UMSETZUNG


Familie Kister setzt in ihrem landwirtschaftlichen Betrieb auf Nachhaltigkeit, Regionalität und moderne Technik. Als Alternative zu fossilem Diesel entschied sie sich bereits im Jahr 2001 dazu, einen ersten pflanzenölbetriebenen Schlepper zu kaufen, ein zweiter kam im Jahr 2006 hinzu. Aufgrund der sehr guten Erfahrungen wollte der Hofnachfolger und jetzige Betriebsleiter Michael Kister einen weiteren Pflanzenölschlepper anschaffen. Eine dezentrale Ölmühle, die Rapsölkraftstoff nach DIN 51605 produziert, befindet sich in der Nähe.


Bei alleiniger Betrachtung der Kraftstoffkosten lässt sich der Einsatz von Rapsöl als Kraftstoff im Vergleich zu konventionellem Diesel zunehmend schwerer wirtschaftlich darstellen. Wichtig ist daher die ganzheitliche Betrachtung der regionalen Wertschöpfungskette auch zum Beispiel unter Berücksichtigung einer (gentechnikfreien) Eiweißversorgung durch den Einsatz von Rapspresskuchen.

Ein Vorteil für land- und forstwirtschaftliche Betriebe ist nach wie vor, dass die Rückerstattung der Energiesteuer von 0,45 Euro pro Liter beantragt werden kann.

Bereits in der Planungsphase des Schlepperkaufs ist Kister auf das Investitionsförderprogramm RapsTrak200, das durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie im Herbst 2014 aufgelegt wurde, aufmerksam geworden. Das Programm fördert die Netto-Mehrkosten für Investition und Wartung von Arbeitsmaschinen, die mit Rapsölkraftstoff betrieben werden. Die Voraussetzungen zur Inanspruchnahme der Förderung wurden daraufhin geprüft.

Im Jahr 2015 wurde ein Fendt 828 S4 mit 280 PS angeschafft, der durch die BayWa AG in Wiesmühl auf Pflanzenölbetrieb im Zwei-Tank-System umgerüstet wurde. Diese BayWa Werkstatt ist vom Hersteller für die Umrüstung autorisiert, wodurch die Werksgarantie von fünf Jahren erhalten bleibt. Die Umrüstung des Schleppers wurde durch das Investitionsförderprogramm RapsTrak200 mit 7.000 Euro gefördert.

EINSPARBERECHNUNG

Einsparberechnung
Eiweißversorgung der Schweine
mit Rapspresskuchen, Ackerbohnen
und Erbsen (gentechnikfrei)
92 Prozent
(Ziel 100 Prozent)
Betriebsdaten
Kosten Umrüstung 8.700 Euro
Förderung von 80 Prozent
der Umrüstungskosten
7.000 Euro
Jährlicher Verbrauch Rapsölkraftstoff 15.000 Liter pro Jahr
Einsparung Treibhausgasemissionen:
CO2-Einsparung Rapsölkraftstoff gegenüber
fossilem Diesel (Standardwerte, Methode der
Erneuerbaren-Energien-Richtlinie RED 2009/28/EG)

CO2-Einsparung =
Standardwert Diesel - Standardwert Rapsölkraftstoff
47,8 g/MJ = 83,8 g/MJ - 36,0 g/MJ
57 Prozent
Umrechnung CO2-Einsparung pro Liter Rapsölkraftstoff:
47,8 g/MJ * 37,0 MJ/kg (Heizwert) * 0,92 kg/l (Dichte)
1,6 Kilogramm pro Liter CO2
CO2-Einsparung bei Verbrauch von
15.000 Liter Rapsölkraftstoff
24 Tonnen CO2 pro Jahr
Unterstützung der regionalen Wertschöpfung:
Fütterung der Schweine mit Futteröl 20.000 Liter pro Jahr

FAZIT


Der neu angeschaffte Schlepper läuft bereits seit 2.500 Betriebsstunden zuverlässig, der erste Pflanzenölschlepper arbeitet seit mehr als 10.000 Stunden betriebssicher. Die Investitionsförderung half die Mehrkosten für die Umrüstung entscheidend zu mindern. Grundsätzlich sind für den Landwirt Kister neben ökonomischen Gesichtspunkten auch ökologische Aspekte, regionale Wertschöpfung, Unabhängigkeit von Importen sowie die Produktion einheimischer Eiweißfuttermittel wichtig.

Die Landwirtschaft leistet hier aktiv Klimaschutz. Durch den Einsatz von Rapsölkraftstoff in land- und forstwirtschaftlichen Maschinen können im Vergleich zu fossilem Diesel die Treibhausgasemissionen um bis zu 57 Prozent reduziert werden (Berechnung nach Standardwerten der RED 2009/28/EG).

Bei einem Forschungsprojekt am Technologie- und Förderzentrum (TFZ) berechneten Experten eine spezifische Einsparung von bis zu 91 Prozent bei Anwendung der Gutschriftenmethode. Diese Einsparung basiert auf bayerischen Verhältnissen (dezentrale Verarbeitung), Berücksichtigung des Presskuchens als Eiweißfuttermittel (Substitution von Sojaschrot aus Übersee) und Anrechnung des Vorfruchtwertes beim Rapsanbau.

Der Betrieb unterstützt geschlossene Stoffkreisläufe durch den Einsatz von regional erzeugtem Rapsölkraftstoff und Futteröl in einer dezentralen Ölmühle sowie durch Verwendung von heimischen, gentechnikfreien Eiweißfuttermitteln in der Schweinemast.

Ein sehr schönes Beispiel das zeigt, wie sowohl Landwirte als auch dezentrale Ölmühlen durch Veredelung der Rapssaat von der regionalen Wertschöpfung profitieren können.