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Familienbetrieb Medick, Thiersheim (Oberfranken)

Betriebsbeschreibung

Betriebsbeschreibung
Betrieb Ferkelerzeuger
Fläche 250 Sauen und 1050 Ferkelplätze
73 Hektar Gesamtfläche
Maßnahmen zur
Energieeinsparung und
zur effizienteren Nutzung
• Photovoltaik-Eigenverbrauchsanlage mit Batteriespeicher
• Optimierte Infrarot-Ferkelnestheizung
• Abluftwärmetauscher in der Zwangslüftung
• Effiziente Antriebe in der Fütterung
Regierungsbezirk Oberfranken
LandSchafftEnergie-Berater Florian Wunderlich, AELF Münchberg

Maßnahmen und Umsetzung

Die Familie Medick bewirtschaftet in der dritten Generation eine eigene Schweinezucht. Im Jahr 2010 wurde der Neubau eines Sauen- und Ferkelstalls beschlossen und umgesetzt. Das Gebäude umfasst 200 Sauen- und 850 Ferkelplätze. Die Schweinezucht ist die Haupteinnahmequelle des Familienbetriebes. Im Kleinen wird darüber hinaus auch selbst geimkert.

Die Schweinezucht ist aufgrund von verschiedensten elektrischen Verbrauchern im Stall überaus energieintensiv. Besonders die Wärmelampen benötigen sehr viel Strom im Betrieb, da die Raumtemperatur bei der Ferkelaufzucht durch die Lampen für längere Zeit erhöht wird. Bei Schwankungen im Stromnetz besteht daher die Gefahr, dass die Raumtemperatur für die jungen Ferkel zu niedrig wird. Und auch steigende Energiepreise beeinflussen die Wirtschaftlichkeit des Betriebs enorm. In der Vergangenheit kam es so oft zu Überlegungen ob es mit dem Betrieb weiter gehen könne. Technische Neuerungen um Energie einzusparen, diese selbst zu erzeugen und effizienter zu nutzen würden die Landwirtschaft auf sicherere Beine stellen, so die Überlegungen der Familie. Darüber hinaus können auf diese Weise wertvolle Ressourcen gespart und das Klima geschützt werden.

Energieeffizienz und Einsatz Erneuerbarer Energien

Der Stall ist ein weitgehend geschlossenes System mit automatisierter Fütterung und Frischluftzufuhr mit integriertem Abwärmetauscher. Pro Jahr lag der durchschnittliche Energieverbrauch vor der Optimierung aufgrund der Vielzahl an elektrischen Verbrauchern bei ca. 48.500 kWh oder 243 kWh pro Zuchtsau – und damit relativ hoch. Dies zeigt eine Gegenüberstellung mit Verbrauchswerten von vergleichbaren Betrieben in einer Erhebung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL).

Über nachhaltige Energiebereitstellung in Richtung Autarkie

Um regenerative Energie bereitzustellen und möglichst viel vom eigenen Strom nutzen zu können, installierte der Betrieb eine 57,2 kWp Photovoltaik-Anlage auf dem Stalldach und kombinierte diese mit einem Stromspeicher über 50 kWh. Bei Stromausfall wird automatisch der Batteriebetrieb aktiviert und eine durchgehende Versorgung gesichert. Zudem ist der Stromspeicher Drehstromfähig und kann zur Energieversorgung von Geräten von Geräten genutzt werden, auch wenn diese eine relativ hohe Leistung benötigen. Daher eignet sich diese Kombination bestens für den Betrieb des Schweinestalls. Im ersten Jahr wurde ein Stromautarkiegrad von über 60 % erreicht. Zum Vergleich: ohne Speicher wären hier lediglich etwa 40 % möglich gewesen.

2018 erzeugte die Anlage 30 000 der verbrauchten 48 500 kWh Strom selbst. Während die PV-Anlage im Sommer mehr als genug Energie produziert, reicht sie im Winter nicht aus. Über das Jahr mussten noch knapp 40% zugekauft werden, um den Unterschied auszugleichen. Dazu hat der Betrieb mehr als 30 000 Kilowattstunden Strom ins Netz gespeist. Um im Sommer mehr eigener Strom zu verbrauchen, wurde eine Futtermahl- und Mischanlage gekauft. Mit dieser Anschaffung wird selbst gewonnen Energie auch vor Ort genutzt und zusätzlich die LKW-Lieferungen für das Futter eingespart.

Wärmelampen: Energiefresser im Stall

In der Ferkelzucht sind besonders die Wärmelampen energieintensiv, da sie die Raumtemperatur nach dem Ferkelwurf für ca. 7 Tage von 28°C auf etwa 35°C anheben. Insgesamt sind 28 Lampen in 2er Gruppen, also 56 Stück im Einsatz. Die alten Leuchtmittel wurden gegen energieeffiziente Lampen ersetzt. Anstelle der 150 W Lampen sind nun 100 W Lampen im Einsatz. Der Energiebedarf wurde so von 8,5 kW auf 5,6 kW reduziert. Eine weitere Neuerung in der Lampenschaltung hilft zudem beim Energiesparen. Vor der Modernisierung wurden alle Wärmelampen zentral ein- oder ausgeschaltet. Nun wird bedarfsgerecht gesteuert und die Ferkelnester nach Belegung bestrahlt.

Fazit/Begründung für Verleihung

Die Familie Medick gewinnt jährlich etwa 67.500 kWh Strom regenerativ aus Sonnenenergie und nutzt über 60 % davon für den eignen Betrieb. Die Energie wird nachhaltig und lokal bereitgestellt. Der Betrieb ist dadurch versorgungssicher und arbeitet in Richtung Energieautarkie.  In Kombination mit Energiesparmaßnahmen konnten bisher etwa 30 t Kohlendioxid durch den eigenen Verbrauch und durch Einspeisen in das Stromnetz eingespart werden. So viel, wie ein kleines Dorf mit ca. 60 Haushalten verursacht. Damit ist der Betrieb ein Leuchtturmprojekt in der Region.

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