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Agri-Photovoltaik

Die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag festgelegt, dass der Anteil der Erneuerbaren Energien im Stromsektor bis 2030 auf mindestens 80 Prozent gesteigert werden soll. Im neuen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2023 wurde dazu für 2030 ein Gesamtziel von 215 GWp installierter Photovoltaik (PV)-Leistung veranlagt. Aktuell ist in Deutschland eine PV-Leistung von etwa 65 GWp installiert, welche zu etwa 70 Prozent auf Gebäude und weiteren knapp 30 Prozent auf PV-Freiflächenanlagen (PV-FFA) entfällt. Diese PV-FFA können bisher auf versiegelten Flächen, Konversionsflächen, sowie auf - aktuell nach dem EEG 2023 - 500 Meter breiten Streifen entlang von Autobahnen und Schienenwegen errichtet werden. Die bayerische Staatsregierung hat diese Flächen über die "Länderöffnungsklausel" auf sogenannt benachteiligte Gebiete ausgeweitet. Um nicht vermehrt Acker- und Grünlandflächen für den Ausbau von PV-FFA in Deutschland zu nutzen, kann die Agri-Photovoltaik (Agri-PV) zum Einsatz kommen.

Nutzung und Definition

Dabei werden landwirtschaftliche Flächen doppelt genutzt und die vermeintlich entstehende Landnutzungskonkurrenz von Energie- und Nahrungsmittelerzeugung abgemildert. Das Fraunhofer ISE geht von einem erschließbaren Agri-PV-Potenzial für Deutschland von hunderten GWp aus. Die Technik dieser Anlagen unterscheidet sich von einer PV-FFA lediglich dadurch, dass die PV-Module hochaufgeständert oder bodennah mit größerem Reihenabstand installiert werden. Dies macht eine nahezu störungsfreie landwirtschaftliche Nutzung darunter oder dazwischen möglich. Eine detaillierte Übersicht zum Status quo der Agri-PV erhalten Sie im aktualisierten Leitfaden des Fraunhofer ISE, welcher unter anderem praktische Hinweise für Landwirtschaftsbetriebe, Kommunen und Unternehmen bietet. Ein im Frühjahr 2021 veröffentlichter Statusbericht des Technologie- und Förderzentrum (TFZ) Straubing zeigt zudem die technischen Unterschiede der diversen Agri-PV-Anlageformen auf und betrachtet die Wirtschaftlichkeit dieser kombinierten Landnutzung. Handlungsanweisungen, Vorschläge für die zukünftige Förderung und die Benennung offener Forschungsfragen zu Agri-PV komplettieren diesen Statusbericht.
Um der Agri-PV eine Definition zu geben, gibt es seit Mai 2021 die DIN SPEC 91434 "Agri-PV". Die Vornorm wurde von einem breiten Expertengremium erarbeitet und beschreibt die Agri-PV erstmals einheitlich. Das Dokument legt die Anforderungen an die landwirtschaftliche Hauptnutzung im Bereich der Agri-PV fest. Maßgeblich werden dabei Anforderungen an die Planung, den Betrieb, die Dokumentation und die Betriebsüberwachung sowie Kennzahlen zur Qualitätssicherung von Agri-PV-Anlagen definiert.

Forschung

In einem ersten Projekt des TFZ wurde der aktuelle Stand sowie offene Fragen zu Agri-PV ermittelt. Aktuell wird der Bau von zwei Agri-PV-Anlagen – eine davon mit drei verschiedenen Agri-PV-Systemen im direkten Vergleich, die andere als rein vertikale Anlage – in Bayern wissenschaftlich begleitet. In einem nachfolgenden Projekt werden diese Anlagen für einen Zeitraum von drei Jahren hinsichtlich wirtschaftlicher, pflanzenbaulicher und agrarökologischer Aspekte ausführlich betrachtet. Weitere Informationen finden Sie hier.

Rechtliches und Förderung

Für Agri-PV-Anlagen die im Außenbereich errichtet werden sollen, gilt zur Zeit gleiches wie für die Errichtung einer PV-FFA: Sie sind keine privilegierten Vorhaben im Sinne des § 35 Abs. 1 BauGB. Somit müssen nach derzeitigem Rechtsstand auch die Agri-PV-Anlagen im Flächennutzungsplan als Sondergebiet mit der Zweckbestimmung „Solarenergie“ oder Ähnliches ausgewiesen werden. Des Weiteren ist eine verbindliche Bauleitplanung nach dem BauGB durch die Gemeinde erforderlich, mit der Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans. Gegenüber PV-FFA können Agri-PV-Anlagen auch auf nahezu allen Acker- und Dauergrünlandflächen förderfähig im Sinne des EEG 2023 errichtet werden. Denkbar sind auch förderfreie Anlagen, mittels sogenannter Power-Purchase-Agreements (PPAs), also Stromlieferverträge an Unternehmen oder Energieversorger. Wird jedoch eine Förderung nach dem EEG 2023 in Anspruch genommen, so werden Anlagen bis 1 MWp über das Marktprämienmodell vergütet, aktuell mit 7 Cent/kWh über 20 Jahre. Ab 1 MWp bis 20 MWp ist im Gesetz kein fester Satz eingetragen. Vielmehr muss vor Baubeginn an einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur (BNetzA) teilgenommen werden. So werden nur die wirtschaftlich günstigsten Gebote berücksichtigt.

Beratungsangebot

Wir bei LandSchafftEnergie bieten Ihnen in vielfältiger Weise ein kostenfreies und unabhängiges Beratungsangebot. Der Schwerpunkt liegt hierbei vor allem auf den erneuerbaren Energien und den damit verbundenen Fragestellungen. Neben Fachvorträgen beraten wir Sie auch gerne individuell. Dabei beantworten wir beispielsweise Fragen zu Anbauempfehlungen alternativer Energiepflanzen, Nutzung von biogenen Festbrennstoffen, alternativen Mobilitätskonzepten und Energieeinsparmaßnahmen.